(Alle
Bilder sind aus dem Clip TV ART von BIT
ART)
Electronic
Beats sind spätestens seit der gleichnamigen Sendung auf VIVA
mit Ill-Young Kim in jeder Munde eines zeitgenössischen
Musikfans. Pünktlich zum Electronic Beats Festival, das
mittlerweile Kult ist, erscheint die zweite Ausgabe des ELECTRONIC
BEATS Samplers mit den Future Beats von BEAT AGENTS, MATRIX
UNLIMITED, BIT ART, CLASSIC ROBOTS, M. ONE, BIZARRE PROJECT, FJS
und anderen elektronischen Tonmeistern. Unter dem Stichwort
Advanced Electronic" geführt, bietet diese Scheibe
exquisite elektronische Tracks mit starkem Eigenleben:
Electro-Trash-Geschichten aus Charakter-Sounds, manchmal mit
melancholisch-pointiertem Ende, aber immer erstaunlich kitschfrei.
Die E-Beats
werden erwachsen und gehen um die
Welt...
Ein
literarischer Exkurs von Sven Matze
FLY
erzählt auf der ELECTRONIC BEATS NO. 2 einen
Epilog von angenehmem Minimal-Trip Hop und einem
warmen Slow-Bass, der sich durch den First-Part der
"Ambient Cities" schleicht.
FLY
AMBIENT CITIES PART II
Die
erste upliftende Electro-Trash-Geschichte kommt von den CLASSIC
ROBOTS und stellt "Androids" als verkleidete Protagonisten von
Factory-Processed-Drumloops vor. Das sind eindeutig KRAFTWERKS
Enkel!
Das
melancholische Kapitel wird von M. ONE, dem pop-ambitionierten
Female-Part des Break-&-Beat-Duos SPACE INDIANS, mit dem Titel
"Fusion" geschrieben: intime Vocaltracks in Form eines inneren
Monologs verbreiten hier ein tiefes und sympathisches
Flair.
Auch
RAIZERs Poem "Weird Megalopolis" besticht durch pures
Vocaldesign, wattiert auf knispernden Beats, die durch
den Big Apple hüpfen. Sein Wohnsitz in Manhattan
hat eben doch Spuren hinterlassen; vielleicht liegt es
aber auch an seiner Vergangenheit mit ADAM
F.
RAIZER
WEIRD MEGALOPOLIS
Eine
Rhapsodie mit der Überschrift "Back To New York" zitieren
BEAT AGENTS völlig im BigBeat Crash Style, wohingegen FJS das
retardierende Moment mit "Mabuse" im Psycho-Mix erzielen. Das ist
absolut spannungssteigernd, denn hier steckt der Teufel in den
psychedelischen Sounds. Die Zeiten, in denen sich das
Münchner Abendblatt und andere "politsch unabhängigen"
Zeitungen über FJS echauffierten, sind zwar schon lange
vorbei, aber den Biss haben Kosmos, Geist, Körper und Seele
mehr denn je in ihr klangliches Spektrum gelegt.
Mit
Hardcore Achtel Bass-Loops reitet RAMAN seine Festplatte und
schreibt dabei das Bühnenmanuskript neu. Man sieht den
Derwisch förmlich vor sich, wie er seiner Crowd mit "C-O-O-L"
vocodermäßig einheizt. (Ich erinnere mich, wie DJ
ANUBIS während eines Goa Live-Gigs im ausverkauften OUTPOST
in Göttingen die ausflippende Menge bestaunte und
kopfschüttelnd meinte: "Ich dachte, Goa sei eine Musik des
Friedens." Ja, mein Lieber, ab aber gehen muß sie...!)
Unvergessen auch RAMANs Performance letzten Jahres im Foyer des
PALLADIUMs in Köln, das auch in diesem Jahr wieder das
ELECTRONIC BEATS FESTIVAL präsentiert.
Weiter
im Text: In der Prosa eines DAMUDI finden wir eine
ausgeprägte, perkussive Syntax aus Tablas; Sitars zeichnen
klare Ethno-Metaphern und filtermodulierte Pulswellen
überragen alle fiktionale Darstellungen der "Secret Forces Of
Yin & Yang".
BIZARRE
PROJECT geben mit ihrem "Subway Race" entlang einer B-Line
Modulation Literaturstunde in dicken Beats & tighten Drumsets.
Mit einem Rückgriff auf die Historie beschleunigen MATRIX
UNLIMITED Barockzitate; eine Art genetisches Wiedererkennen von
stark hüpfenden Rhythmuspattern.
BIT
ART finalisieren die Electro Trash Episoden mit einer lebendigen
Architektur aus Soundschnipsel und wörtlicher Rede. Die
Presse spricht bei ihren Tracks nicht zu unrecht von
"Präzisionslärm". Das Künstlerkollektiv arbeitet
nach dem Motto "Keine Bilder ohne Musik und keine Musik ohne
Bilder." Zahlreiche Video-Installationen parallelisieren den Sound
und werden zu paralytischen Kicks mit viel DSP. Dem wird auf der
CD auch Rechnung getragen (gehörte zum Deal), indem BIT ART
ihre Bildkonstruktion "TV Art" als DVD Part beisteuern. Eine
Montage mit symbolischer Kraft und subjektiver Entschiedenheit
würde ich sagen... ganz im Sinne der Explosivität
elektronischer
Beats!
So,
wem das nun alles viel zu "narrativ" war, der sollte seinem
CD-Player das Wort geben...